Pflegemythen-Check: Kaffeesatz für Zimmerpflanzen

Monstera adansonii im beigen Topf neben einer Schale mit Kaffeesatz und verschütteten Kaffeeresten.

Kaffeesatz soll Zimmerpflanzen mit Nährstoffen versorgen, das Substrat ansäuern und für kräftiges Wachstum sorgen. Der vermeintliche Naturdünger ist quasi kostenlos und klingt nachhaltig. Doch gehört Kaffeesatz wirklich in den Pflanzentopf?

Inhaltsverzeichnis

  • Der Mythos
  • Was stimmt daran?
  • Warum kann Kaffeesatz im Topf problematisch sein?
  • Macht Kaffeesatz die Erde sauer?
  • Unser Urteil: lieber nicht direkt in den Topf
  • Fazit

Der Mythos

Häufig wird empfohlen, gebrauchten Kaffeesatz direkt auf die Pflanzenerde zu streuen oder unter das Substrat zu mischen. Besonders Pflanzen, die ein leicht saures Substrat mögen, sollen davon profitieren.


Was stimmt daran?

Gebrauchter Kaffeesatz enthält organisches Material sowie kleinere Mengen Stickstoff und verschiedener Mineralstoffe. Das macht ihn aber noch nicht zu einem vollständigen Pflanzendünger. Ein großer Teil der enthaltenen Stoffe muss zunächst durch Mikroorganismen zersetzt werden. Wie schnell und gleichmäßig das passiert, lässt sich im begrenzten Pflanztopf kaum kontrollieren.


Warum kann Kaffeesatz im Topf problematisch sein?

Das Problem ist nicht, dass Kaffeesatz grundsätzlich keine Nährstoffe enthält. Seine Wirkung lässt sich im kleinen Pflanztopf jedoch nur schwer kontrollieren.

Die Nährstoffe sind nicht sofort verfügbar. Ein großer Teil des enthaltenen Stickstoffs ist in dem Kaffeesatz gebunden. Mikroorganismen müssen den Kaffeesatz erst zersetzen, bevor die Pflanze einen Teil der Nährstoffe aufnehmen kann. Während dieses Abbaus können die Mikroorganismen vorübergehend selbst verfügbaren Stickstoff binden und der Pflanze "wegnehmen".

Die feinen Partikel können die Substratstruktur verschlechtern. Trocknender Kaffeesatz kann verklumpen und an der Oberfläche eine dichte Schicht bilden. Dadurch können Wasser und Luft schlechter in das Substrat gelangen. Gerade im begrenzten Topfvolumen ist eine lockere, gut belüftete Struktur jedoch wichtig für gesunde Wurzeln.

Bestimmte Inhaltsstoffe können das Wachstum hemmen. Auch nach dem Aufbrühen können noch Koffein, Polyphenole und andere Stoffe im Kaffeesatz enthalten sein. Versuche mit unbehandeltem Kaffeesatz zeigten je nach Menge und Pflanzenart eine schlechtere Keimung oder ein vermindertes Wachstum. Die Wirkung ist nicht bei jeder Pflanze gleich und genau das macht die Dosierung so unberechenbar. 

Feuchter Kaffeesatz wird schnell von Mikroorganismen besiedelt. Sichtbarer Schimmel ist dabei nicht automatisch eine Pflanzenkrankheit, zeigt aber, dass im Topf ein unkontrollierter Zersetzungsprozess stattfindet. Im Kompost ist dieser Abbau erwünscht. Direkt neben den Wurzeln einer Zimmerpflanze ist das jedoch weniger wünschenswert.


Macht Kaffeesatz die Erde saurer?

Nicht zuverlässig. Der pH-Wert von gebrauchtem und sich zersetzendem Kaffeesatz kann schwanken. Eine gezielte und dauerhafte pH-Absenkung lässt sich damit nicht kontrollieren. Mehr zu diesen Werten erfährst du in unserem Beitrag „pH-Wert und EC-Wert bei Zimmerpflanzen“.


Unser Urteil: lieber nicht direkt in den Topf

Der Mythos stimmt nur teilweise. Kaffeesatz kann als Bestandteil eines gut gemischten Komposts sinnvoll verwertet werden. Als regelmäßiger Direktdünger für Zimmerpflanzen ist er jedoch zu unberechenbar.

Nutze für deine Zimmerpflanzen besser einen vollständigen, passend dosierten Dünger. So weißt du, welche Nährstoffe deine Pflanze tatsächlich bekommt.  Geeignet ist hier zum Beispiel der mineralische Langzeitdünger.


Fazit

Kaffeesatz muss nicht in den Müll, im Kompost ist er aber besser aufgehoben als im Pflanzentopf. Für eine kontrollierte Versorgung deiner Zimmerpflanzen ist ein geeigneter Pflanzendünger die zuverlässigere Wahl.

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